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Kurt Lenz (1909 – 1990)

Der schönste Mann von Kyritz: der Tänzer Kurt Lenz (1909 – 1990)

Er war wirklich einmalig schön, ausgestattet mit einem geradezu göttlichen Körper, noch dazu liebenswürdig, elegant und klug, also ein wahrer Traum-Mann: der Kyritzer Kurt Lenz, der Jahrzehnte lang die Menschen in Europa mit seiner Tanzkunst bezaubert hat.

 

 

Die Kyritzer Kindheit

Kurt Lenz wurde am 14. Februar 1909 in Kyritz geboren als Sohn des Kyritzer Bäckermeisters Emil Lenz und dessen Ehefrau Alma, geborene Prütz. Der Vater war ein erfolgreicher und recht wohlhabender Geschäftsmann, der seine Bäckerei in der Hamburger Straße 18 betrieb, also in dem Haus, in dem sich heute das Raumausstattungsgeschäft Streege befindet.

 

Allerdings hatte das Haus damals noch ein ganz anderes äußeres Erscheinungsbild als heutzutage, wie man auf einem Foto aus dem Jahr 1923 sehen kann. In diesem Haus wuchs Kurt Lenz zusammen mit seinem Bruder und den Eltern auf. Der Vater wünschte, daß seine beiden Söhne ebenfalls das Bäckerhandwerk lernen sollten, und Kurt Lenz fügte sich dem Wunsch des Vaters. Nach der Schule absolvierte er also eine Bäckerlehre im väterlichen Betrieb, die er mit Erfolg abschloss.

 

Die Ausbildung zum Tänzer

Aber danach hielt ihn nichts mehr. Es zog ihn nach Berlin. Mit der liebevollen Unterstützung der Mutter konnte er beim Vater durchsetzen, dass er bei einer der damals bedeutendsten Ballettschulen, nämlich der Ballettschule von Victor Gsovsky und dessen Frau Tatjana in Berlin seine Ausbildung zum Balletttänzer absolvieren konnte. Victor und Tatjana Gsovsky waren russischer Herkunft, hatten 1924 Russland verlassen, Victor Gsovsky war inzwischen Choreograph und Leiter des Balletts an der Berliner Staatsoper, seine Frau Tatjana war eine berühmte Balletttänzerin und ebenfalls Choreographin. Kurt Lenz konnte bei ihnen alle bedeutenden Rollen für Solotänzer einstudieren.

 

1932 ging Kurt Lenz nach London und vertiefte dort seine Ausbildung in der Ballettschule von Tamara Karsavina, die ihre Heimat Russland ebenfalls verlassen hatte, nach England gegangen war und in London eine Ballettschule gegründet hatte. Karsavina tanzte damals zugleich als Primaballerina der Royal Opera London, war bildschön und galt als eine der bedeutendsten Balletttänzerinnen ihrer Zeit. In England konnte Kurt Lenz dann schon bald Solorollen übernehmen.

 

1932 choreographierte der berühmte russische Tänzer und Choreograph Leonide Massine (eigentlich: Leonid Fjodorowitsch Mjasin) in London die Premiere eines neuen Balletts. Bei ihm studierte Kurt Lenz weitere Rollen. Dank seines Könnens und der Eleganz seiner Bewegung wurde Kurt Lenz kurze Zeit später von Massine zurück nach Berlin zum berühmten Max Reinhardt vermittelt.

 

Die großen Erfolge

In Reinhardts „Schöner Helena“ tanzte Kurt Lenz in Berlin den Part des „Paris“, und von nun an standen ihm alle Opernhäuser offen. Bereits 1933 absolvierte er mit dem Ballett von Victor Gsovsky zusammen mit der Primaballerina Vera Zorina Europa-Tourneen. Er tanzte an allen bedeutenden Opernhäusern Europas (besonders gern in London), unternahm auch eine Tournee nach Amerika, war erster Solotänzer des Deutschen Opernhauses, tanzte mit allen berühmten Primaballerinen und gründete mit der Tänzerin Daisy Spies auch eine eigene Tanzgruppe.

 

In den 20iger und 30iger Jahren waren Tanz-Revuen und zunehmend auch der Tanz-Film ein beliebtes Vergnügen. Kurt Lenz tanzte in den 30iger Jahren in Revuen und Filmen mit den berühmtesten Tänzerinnen, zum Beispiel mit der sagenhaften La Jana, mit Lilian Harvey, mit Marika Rökk, mit Ilse Werner und mit vielen anderen. Und er tanzte auch in zahlreichen Filmen, zum Beispiel in den Filmen „Schlussakkord“, „Schwarze Rosen“, „Karneval“, „Fanny Elßler“ oder „Bal paré“. In den 30iger Jahren konnte man an jedem Kiosk die sogenannten „Starpostkarten“ kaufen: da wurde an jedem Kiosk auch eine Starpostkarte mit dem Portrait von Lilian Harvey und Kurt Lenz angeboten.

 

1940 wurde die künstlerische Laufbahn von Kurt Lenz unterbrochen: er wurde zum Kriegsdienst eingezogen und geriet schließlich in russische Gefangenschaft. Erst sieben Jahre später, im Jahr 1947 kam er nach Berlin zurück.

 

   

 

Die Nachkriegszeit

In Berlin hatte Tatjana Gsovsky 1945 an der Berliner Staatsoper die Leitung des Berliner Staatsballetts übernommen. Sie schuf einen völlig neuen und modernen Stil des Balletts, hatte damit größte Erfolge und galt als die überragende Gestalt des deutschen Balletts der Nachkriegszeit. Als Kurt Lenz 1947 nach Berlin zurückkehrte, verpflichtete sie ihn sofort wieder an die Staatsoper. In der Folgezeit tanzte Kurt Lenz als Solotänzer an der Staatsoper, dann folgten bis 1961 Engagements am Metropoltheater. Der Bau der Mauer im Jahr 1961 beendete diese künstlerische Laufbahn, denn Kurt Lenz hatte zwar am Staatstheater und am Metropoltheater seine künstlerische Heimat, aber er wohnte in Berlin-Wilmersdorf, also im Westen.

 

In den folgenden Jahren tanzte und spielte Kurt Lenz noch in Fernsehfilmen, und schließlich arbeitete er beim Fernsehen auch noch als Gewandmeister.

 

Unmittelbar nach der Wende kam Kurt Lenz im Alter von 80 Jahren, also als alter Herr zu Besuch in seine Heimatstadt Kyritz zurück. Diejenigen, die mit ihm sprachen, spürten seine Weltoffenheit und die Liebenswürdigkeit, mit der er allen Menschen im Verlauf seines Lebens begegnet war.

 

Kurt Lenz starb am 6. Juni 1990. Auf seinen Wunsch hin wurde er in seiner Heimatstadt Kyritz begraben. Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Tanzarchiv in Köln. Sicher würde es sich für die Kyritzer Geschichtsforschung lohnen, diesen Nachlass einmal zu sichten.